Gesellschaft für Strukturpolitik in Westfalen e.V.
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... der Anfang unserer Website. ... die wir erreichen wollen ! ... die Region für die wir uns stark machen. ... Geschäftsführung, wie Sie uns erreichen: Anschrift, Tel., Fax., E-Mail und Impressum. ... die im Internet sind. ... NUR für Mitglieder zugänglich. ... nach unserem Gründer LUDWIG GERSTEIN, zur Förderung junger Wissenschaftler. ... Kongresse, Veranstaltungen, die wir gemeinsam mit Partnern durchführen.
Gesellschaft für Strukturpolitik in Westfalen e.V.
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W E S T F A L E N

Als nordöstlicher Teil von Nordrhein-Westfalen - NRW, umfaßt Westfalen die westfälische Bucht mit Teilen des Ruhrgebiets, das nordwestliche Weserbergland und das Sauerland, d.h. den größten Teil des Landschaftsverbandes Westfalen mit den Regierungsbezirken Münster und Arnsberg und den westlichen Teilen des Regierungsbezirks Detmold.
Hauptort ist Münster.
Obwohl sich bis in das 19. Jahrhundert kein politisch, geographisch, kulturell oder wirtschaftlich abgegrenzter Raum Westfalen herausgebildet hatte und Westfalen nie ein staatliches Gebilde wie Preußen, Bayern oder Württemberg gewesen ist, gab es doch früher als in anderen deutschen Gebieten eine relativ einheitliche Geschichtslandschaft Westfalen.
Im Laufe eines Jahrtausends sind drei oder vier verschieden weit gefaßte Westfalenbegriffe zu unterscheiden.
Ursprünglich war Westfalen die Bezeichnung für einen der Herrschaftsräume (Heerschaften) des sächsischen Stammesgebietes.
Im weiteren Sinne hieß Westfalen seit dem 12. Jahrhundert das Land zwischen Weser und Rhein.
Im engeren Sinne bezeichnete der Begriff das seit 1180 zum kurkölnischen Besitz gehörende Herzogtum Engern und Westfalen, das nur den Kern des heutigen südlichen Westfalen mit dem Hauptort Arnsberg (ab 1368) umfaßte.
Daneben lehnten im Spätmittelalter entstandene Gemeinschaftsbildungen (Städtebünde z.B.) sich in ihrer Organisation an das weitere Territorium an.
Dadurch gewann der Begriff Westfalen als Herkunftsbezeichnung für seine Bewohner Bedeutung.

Nach dem Zusammenbruch des alten Reiches und bei der Festlegung des territorialen Zuschnitts Deutschlands durch den Wiener Kongreß entstand im Jahre 1815/16 die preußische Provinz Westfalen südlich einer Linie Minden - Wiehengebirge - Tecklenburg - Rheine, ohne die Fürstentümer Lippe, Schaumburg-Lippe und Waldeck, sowie das Bistum Osnabrück und das Niederstift Münster, die beide an das Königreich Hannover fielen.
Ebenso wurde die Stadt Essen abgetrennt.

Dafür entstand mit der preußischen Erwerbung der Grafschaften des Siegerlandes und Wittgensteins und ihrer Anfügung an die Provinz Westfalen ein neues "Südwestfalen".
Insgesamt erhielt Westfalen zum ersten Mal in der Geschichte eine scharf umgrenzte, staatlich administrative Zusammenfassung unter einem Oberpräsidenten als Vertreter der preußischen Krone.
Seit dem Jahre 1824 konnte ein Provinziallandtag (Ständeversamlung) die Angelegenheiten der Provinz begutachten und beraten.

Lange vor der Errichtung der Provinz Westfalen existierte sowohl ein volkstümliches übergreifendes Westfalenbewußtsein als auch - unter Gebildeten - eine historisch gefärbte Westfalengesinnung.
Die Zusammenfassung unterschiedlicher Territorien zu einer Provinz und die Benennung mit dem für das 19. Jahrhundert attraktiven Stammesnamen Westfalen haben aber das Zustandekommen und den Inhalt eines neuzeitlichen Westfalenbewußtseins tief beeinflußt, ebenso wie die vielen wissenschaftlichen und heimatkundlichen Wortführer eines Westfalentums und ihre Vereine, die eine reiche Publizistik hervorbrachten.
Nicht zuletzt wurde das westfälische Selbstbewußtsein durch Konflikte mit der preußischen Zentrale, vor allem bei der Verteidigung der hergebrachten sozialen Stellung der katholischen Kirche, gefördert.
Dazu trat der außerordentliche wirtschaftliche Aufschwung im Zuge der Industrialisierung.
Zum einen hatte Westfalen Anteil an dem Ruhrgebiet, das sich zum bedeutendsten europäischen Zentrum der Montanindustrie entwickelte.
Zum anderen überformte die Industrialisierung auch hergebrachte Gewerbegebiete mit Textilherstellung (z.B. Minden-Ravensberg) oder Erzproduktion und Verarbeitung (Siegerland, Märkisches Land).

Durch die Provinzialordnung vom 1.8.1886 erhielt Westfalen, neben der staatlich preußischen Verwaltung, als kommunaler Provinzialverband Selbstverwaltungsbefugnisse, die von dem Provinziallandtag als Beschluß- und von einem durch diesen gewählten Provinzialausschuß als Verwaltungsorgan mit einem Landesdirektor (seit 1889 Landeshauptmann) wahrgenommen wurden.
In der Weimarer Republik wurde die Selbstverwaltung der Provinz weiter demokratisiert und ausgeweitet; das NS-Regime löste sie im Jahre 1933 auf.
Die Provinz blieb jedoch als Verwaltungseinheit erhalten.
Am 6.6.1945 bestätigte die britische Militärregierung die Rechtswirksamkeit und den Bestand der provinzialen Selbstverwaltung und ernannte Bernhard Salzmann zum Landeshauptmann.
Am 5.7.1945 berief sie Rudolf Amelunxen als Oberpräsident zum Leiter der Provinzialregierung.
Der ernannte Provinzialrat, eine rein beratende parlamentarische Versammlung, trat nur einmal am 30.4.1946 zusammen.
Mit der Auflösung der preußischen Provinzen durch die Verordnung Nr. 46 der britischen Militäregierung vom 23.8.1946 ging die Provinz im neuen Land Nordrhein-Westfalen auf.
Der 1953 geschaffene Landschaftsverband Westfalen-Lippe führt mit geringeren Zuständigkeiten die Tradition der Selbstverwaltung fort.

Nach den Zahlen von 1994 umfaßt der westfälisch-lippische Landesteil Nordrhein-Westfalens 63% der Fläche (21400qkm), doch nur 47% (8,3 Mio.) der Bevölkerung und erbringt 43,5% der Bruttowertschöpfung (1992).
Der städtische Agglomerationsraum des nördlichen und östlichen Ruhrgebietes mit den Großstädten Dortmund, Bochum, Hagen, Gelsenkirchen, Hamm, Herne, Recklinghausen, Bottrop hebt sich von der umgebenden Kulturlandschaft scharf ab.
Die vier weiteren Großstädte Bielefeld (342000 Einwohner), Münster (264000 Einwohner), Paderborn (131000 Einwohner) und Siegen (111000 Einwohner) sind für ihre ländlich geprägten Umgebungsräume die regionalen Oberzentren.

Abseits der schwerindustriellen Bereiche des Ruhrgebietes bestimmen Landwirtschaft sowie klein- und mittelständische Fertigungsbetriebe das Bild der Region.
Weniger als 50% der Erwerbstätigen sind im verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau tätig.
Erstarkende Branchen sind Maschinenbau, Holzverarbeitung (Möbelindustrie), Elektroindustrie und Fremdenverkehr (Tourismus).

Die Wasserburgen des Münsterlandes, die Heilbäder in Ostwestfalen und die Naturlandschaften des Sauer- und Siegerlandes bieten einen hohen Erholungs- und Freizeitwert.

Die Universitäten Münster und Bochum gehören zu den größten in Deutschland; vier weitere Universitäten (Bielefeld, Paderborn, Siegen, Dortmund), die Fernuniversität Hagen und eine Anzahl von Fach- und Kunsthochschulen vervollständigen die westfälische Hochschullandschaft.
Nicht zuletzt die Bevölkerungswanderungen nach dem Krieg haben zu einer nahezu ausgeglichenen Verteilung der Konfessionen geführt: 46% bekennen sich zum Katholizismus, 42% zur evangelischen (evangelisch) Kirche.
Drei Prozent der Bevölkerung sind islamischen (Islam) Glaubens, was von der hohen Zuwanderung vor allem aus der Türkei zeugt.

Lippe

Gebiet des heutigen Kreises Lippe, früher die Kreise Lemgo und Detmold, weitgehend identisch mit dem Territorium der ehemaligen Grafschaft bzw. des Fürstentums (1720/ 89 - 1919) und Freistaates Lippe (1919 - 1937), seit 1947 Teil des Landes Nordrhein - Westfalen.
Historisch gesehen, gehört die fast 800 Jahre selbständige Landesherrschaft Lippe zum westfälischen Raum.
Es gelang Lippe nach der Neuordnung durch den Wiener Kongreß 1815, die Selbständigkeit als Mitglied des Deutschen Bundes zu erhalten.

Die Edelherren zur Lippe wurden erstmals 1123 namentlich erwähnt, benannt nach ihrer gleichnamigen Burg am Fluß Lippe.
Im 12. Jahrhundert gründeten sie die Stadt Lippe, heute Lippstadt, die ihnen im 14. Jahrhundert verlorenging.
Der Bestand des Landes bildete sich im 16. Jahrhundert.
Danach erfolgten kaum noch Veränderungen.
Im Zeitalter der Glaubensspaltung wurde Lippe protestantisch und geriet durch die Konfessionsschranken gegenüber den benachbarten Territorien in eine gewisse Abseitslage.
Nach dem dreißigjährigen Krieg war das Land dauerhaft verarmt; die lippische Armut wurde sprichwörtlich.
Die Verarbeitung von Flachs zu Garn und Leinen für den Export, sicherte als Zuerwerb der Hälfte der Bevölkerung nur eine begrenzte Existenz.
Zwar vermochte das Fürstenhaus, zu nennen ist die Fürstin Pauline (1802 - 1820), über die großen politischen Krisen und territorialen Flurbereinigungen von 1789 bis 1815 und 1866 hinweg die staatliche Selbständigkeit zu retten, aber es gelang den alten Ständen, die 1819 erlassene, für ihre Zeit moderne Verfassung zu verhindern und in Lippe eine rückständige politische Ordnung zu konservieren.
Das trug dazu bei, daß das 19. Jahrhundert für Lippe zu einem "Jahrhundert der Verspätungen" wurde.
Der 1895 ausgebrochene Erbfolgestreit, in den Kaiser Wilhelm II. persönlich eingriff, erregte ganz Deutschland.
Er endete 1905 mit der Thronbesteigung Leopolds IV. aus der Linie Biesterfeld.

Im 19. Jahrhundert blieb Lippe weit hinter der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zurück und erlebte in den letzten Jahrzehnten eine schwere wirtschaftliche Krise, als das traditionelle Leinengewerbe die im benachbarten Ravensberger Land vollzogene Modernisierung nicht mitvollzog.
Schon seit dem 17./18. Jahrhundert hatten viele Männer sommers als Torfstecher und Ziegelbrenner außer Landes gehen müssen; um die Jahrhundertwende und in den Jahren darauf zwang die Verarmung annähernd 40% der männlichen Erwerbstätigen zur Wanderarbeit außerhalb Lippes; im Jahre 1927 waren es noch etwa 20%.

Nach der Abdankung Leopolds IV. (1918) erhielt das Land im Dezember 1919 eine republikanisch-parlamentarische Verfassung, durch die ein dreiköpfiges Landespräsidium an die Spitze der Regierung trat.
Den mit einem beispiellosen Aufwand errungenen Wahlsieg der NSDAP vom 15.1.1933 in der lippischen Landtagswahl feierten die Nationalsozialisten als Beginn der "Machtergreifung".
Am 10.5. 1933 "schalteten" sie den Landtag "gleich", lösten ihn 1934 auf, unterstellten das Land dem Gauleiter für Westfalen-Nord als Reichsstatthalter.
Im April 1945 wurde Lippe von der britischen Besatzungsmacht als erstes deutsches Land der Nachkriegszeit wieder errichtet.
Die feierliche Eröffnung eines ernannten Landtages folgte allerdings erst am 9.5.1946.
Er verabschiedete am 11.9. eine Verfassung, als schon Verhandlungen über die Beendigung der staatlichen Selbständigkeit und die Eingliederung entweder nach Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen liefen.
Der lippische Landespräsident, Heinrich Drake erlangte von NRW größere Zugeständnisse, die in zehn "Punktationen" festgehalten wurden, worauf die britische Militärregierung mit der Verordnung Nr. 77, die am 21.1.1947 in Kraft trat, Lippe mit Nordrhein - Westfalen zusammenfügte.
Von einem bis zum 5.2.1956 möglichen Volksbegehren (Bürgerbeteiligung) gegen die Eingliederung nach NRW machte die Bevölkerung keinen Gebrauch.

In den erwähnten Verhandlungen erreichte Lippe u.a. die Verlegung der Bezirksregierung von Minden nach Detmold.
Das wichtigste Verhandlungsergebnis aber bestand in der Zusicherung Nordrhein-Westfalens, das staatliche Vermögen Lippes (Domanialvermögen) -Grundbesitz, Immobilien, die Staatsbäder Salzuflen und Meinberg, Landestheater, Landesmuseun, Landesbibliothek - als Sondervermögen einer neu zu gründenden Körperschaft des öffentlichen Rechts zu übertragen und die Erträge voll dem lippischen Gebiet zu erhalten.
Mit Gesetz vom 5.11.1949 wurde daraufhin der Landesverband Lippe gegründet, der das Vermögen bis heute verwaltet.

Der Kreis Lippe umfaßt 1246qkm mit 356427 Einwohnern (1994).
Die Hauptorte sind Detmold (72607 Einwohner/1994) und Lemgo (41207 Einwohner).
In Detmold gibt es eine Musikhochschule.
Die Fachhochschule Lippe für Architektur und Bauwesen hat ihren Sitz in Lemgo und Detmold.
Lippe ist stark landwirtschaftlich geprägt.
Von Bedeutung sind die beiden Staatsbäder Salzuflen und Meinberg.
Der industrielle Schwerpunkt liegt bei der Holzverarbeitung.

Landesbewußtsein

Landesbewußtsein ist ein Begriff, der vor allem in der politischen Diskussion in einer stark wertenden Bedeutung Verwendung findet, wenn gerade in den nach 1945 gegründeten Bindestrich-Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen der Mangel an Landesbewußtsein bei den Bürgern bedauert und dessen Stärkung für wünschenswert gehalten wird.
Demgegenüber wird im folgenden ein analytisches Begriffsverständnis zugrunde gelegt.
Danach bezieht sich Landesbewußtsein auf die kollektive Identität, d.h. den Zusammenhalt von Menschen - in diesem Fall auf der Ebene eines Bundeslandes - aufgrund gemeinsamer räumlicher Grenzen, geschichtlicher Erfahrungen, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Gegebenheiten und politischer Orientierungen sowie auf die Identifikation und das Einverständnis dieser Menschen mit den Verfassungsgrundsätzen und den staatlichen Einrichtungen.
Als Voraussetzungen für die Herausbildung von Landesbewußtsein bzw. -identität können (nach Karl Rohe) zwei Dimensionen von politischer Kultur unterschieden werden.
Zum einen muß eine einheitliche, von anderen Bundesländern, aber auch anderen Ebenen (Nation, Region, Gemeinde) unterscheidbare Soziokultur vorhanden sein.
Darunter sind die verinnerlichten Lebensweisen, Werte und Maßstäbe für das Zusammenleben von Gruppen zu verstehen, die den Rahmen für politisches Handeln bilden.
Zum anderen ist eine subjektiv bewußte Deutungskultur erforderlich, die diese landesspezifischen Mentalitäten aufgreift, z.B. durch Symbole verdeutlicht und zum Gegenstand kultureller Aktivitäten macht, damit sich ein Wir-Bewußtsein herausbilden kann.

Teilkulturen in NRW

Das Land Nordrhein-Westfalen wurde 1946 durch die britische Besatzungsmacht aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz und der Provinz Westfalen gebildet und 1947 durch die Eingliederung von Lippe-Detmold erweitert.
Damit knüpfte es einerseits an verschiedene Kontinuitätslinien an und war kein reines Kunstprodukt.
Andererseits gab es keinen entsprechenden Vorläuferstaat, so daß das Land als Ganzes eine Neuschöpfung darstellte.
Die Landesteile Nordrhein und Westfalen brachten keine jahrhundertealte Traditionen als eigenständige und einheitliche Territorien mit.
Denn die historischen Räume Rheinland und Westfalen waren größer als die heutigen Gebiete und in zahlreiche kleinere Herrschaftsbereiche aufgesplittert.
Erst unter der gemeinsamen preußischen Herrschaft seit 1815 entstanden die Provinz Westfalen (1815) und die Rheinprovinz (1822).
Allerdings blieben die beiden preußischen Westprovinzen Nachbarn, die sich in ihren Soziokulturen voneinander unterschieden.
So wird dem Rheinland eine stärker an den Menschen und an Verfahren des Aushandelns ausgerichtete Vorstellung von Politik, dagegen Westfalen ein eher an sachlichen Leistungen und weniger an Kompromissen orientiertes Politikverständnis zugeschrieben.

Dem entsprachen unterschiedliche Deutungskulturen, die von Teilen des jeweiligen Bürgertums getragen wurden und durch Sprache, Brauchtum und Lebensweise im Alltag der Menschen verankert waren.

Während die preußische Herrschaft im 19. Jahrhundert nur wenig zur Ausbildung von Gemeinsamkeiten zwischen Rheinland und Westfalen beitrug, bewirkte die Industrialisierung zumindest teilweise eine Verklammerung der beiden Gebiete.

Mit dem Ruhrgebiet entstand eine neue Region, die die Provinzgrenze überschritt, ohne jedoch die beiden Provinzen insgesamt zu erfassen und zu integrieren.
Diese Region wurde nicht durch Geschichte und Raum, sondern durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen definiert.
Sozialkulturell stellte das Ruhrgebiet keine Einheit dar.
Vielmehr war es entlang konfessioneller und sozialer Konfliktlinien in mehrere Milieus gespalten.
Das vorherrschende Politikmodell war durch traditionalistische Einstellungen zur Politik, eher konservative als radikale Ausrichtungen der Parteien, sozialstaatliche Züge und organisierte, auf Konsens zielende Konfliktlösungsmuster gekennzeichnet.
Aufgrund der Existenz verschiedener Subkulturen, des Fehlens einer bürgerlichen Trägerschicht und des Mangels an kulturellen Einrichtungen konnte sich nur ansatzweise eine Deutungskultur herausbilden, so daß das Ruhrgebiet in erster Linie von außen als Einheit wahrgenommen wurde.

Wir in NRW

Aufgrund der Vielfalt der Sozio- und Deutungskulturen, die regional auf Westfalen, den rheinischen Landesteil und das Ruhrgebiet begrenzt blieben, waren die Voraussetzungen für die Entwicklung eines einheitlichen nordrhein-westfälischen Landesbewußtseins bei der Gründung des Landes denkbar schlecht.
Die Problematik spiegelt sich beispielhaft in der Präambel der Landesverfassung von 1950 wider.
Nachdem in ersten Entwürfen noch auf die "rheinisch-westfälische Bevölkerung" und das "Volk von Westfalen, vom Rhein und von der Ruhr" Bezug genommen worden war, benennt die Präambel die "Männer und Frauen des Landes Nordrhein-Westfalen" als Verfassungsgeber.

Seit den 50er Jahren verstärken sich die Bemühungen, ein Landesbewußtsein zu fördern, da es nicht eigenständig aus einer Tradition (Brauchtum) erwachsen konnte.
Vor allem Landesregierungen und Landesparlament versuchen u.a. mit Hilfe politischer Symbole, grundlegende Elemente der politischen Kultur zu verdeutlichen sowie zur Herausbildung einer kollektiven nordrhein-westfälischen Identität und zur Identifikation mit dem politischen System beizutragen.
Die 1953 gesetzlich festgelegten Landesfarben, die Landesflagge und insbesondere des Landeswappen sind nicht nur weit verbreitet, bekannt und beliebt, sondern auch Sinnbilder sowohl für die drei Landesteile als auch für deren Integration.
Dagegen scheiterte die Schaffung anderer Symbole wie eines großen Staatswappens und einer Landeshymne oder verzögerte sich wie beim Bau eines neuen Landtagsgebäudes und der Einsetzung eines Landesordens.
Der Tag der Landesgründung ist zwar kein gesetzlicher Feiertag, wird aber in Jubiläumsjahren besonders gewürdigt, wobei erste Anzeichen für die Begründung einer eigenen Landestradition zu erkennen sind.
Neben der Symbolstiftung konzentrieren sich die Aktivitäten der Landespolitik auf die Kulturförderung (Großer Kunstpreis des Landes NRW, Förderpreis des Landes NRW, Kunstsammlung NRW).

Darüber hinaus tragen die Landeszentrale für politische Bildung durch die Herausgabe landeskundlicher Bücher, die Universitäten und Archive des Landes durch Quellenveröffentlichungen, Forschungsarbeiten und landesgeschichtliche Ausstellungen sowie der WDR mit Rundfunk- und Fernsehsendungen zu landespolitischen Themen dazu bei, die Kenntnisse über das Land bei den Bürgern zu verbreitern und dadurch mittelbar ein Landesbewußtsein zu fördern.
In den 80er Jahren entdeckten auch die Parteien Landesbewußtsein als Thema für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Im Landtagswahlkampf 1985 verwendete die Landesregierung bzw. die SPD das Motto "Wir in Nordrhein-Westfalen", das im Unterschied zu "Wir Nordrhein-Westfalen" die nach wie vor bestehende Vielfalt an Identitäten und Identifikationsmöglichkeiten im Land betont.

Aktuelle Probleme und Bewertung

Inwieweit die Bemühungen zur Förderung eines nordrhein-westfälischen Landesbewußtseins erfolgreich sind, ist nur schwer einzuschätzen.
Eine bundesweite Umfrage des Instituts für Demoskopie 1991 ergab, daß sich 57% der Befragten in den alten Bundesländern in erster Linie als "Deutsche" und nur 19% eher als "Landsmann" (z.B. Bayer, Berliner, Westfale) fühlten.
Nach einer Umfrage von Infratest Sozialforschung für Nordrhein-Westfalen 1982 bezeichneten 29% der Befragten Nordrhein - Westfalen", aber insgesamt 52% einzelne Regionen (12% Ruhrgebiet, 10% Rheinland, 9% Westfalen, je 4% Sauerland, Bergisches Land, Köln, je 3% Niederrhein, Münsterland, Düsseldorf) als ihr "Zuhause".
Damit bestätigt sich das Bild von einem Nebeneinander verschiedener Identitäten, wobei allerdings die Ebene der Bundesländer gegenüber nationalen und regionalen Identitäten einen geringeren Stellenwert besitzt.
In Nordrhein-Westfalen ist zudem die Landesidentität im Vergleich z.B. zu Bayern, wo sich 58% der Befragten im Freistaat "zuhause" fühlen, besonders schwach ausgeprägt.

Für die Entwicklung eines nordrhein-westfälischen Landesbewußtseins ergeben sich drei Perspektiven:

    eine "künstliche" Deutungskultur, die abgehoben von der differenzierten Soziokultur auf die Inszenierung und Vermarktung eines Landes-Images setzt und auf den Wettbewerb im Europa der Regionen zielt, aber für die Ausbildung eines Landesbewußtseins im engeren Sinne ohne Wirkung bleibt;
    eine einheitliche Landesidentität als langfristige Perspektive, die von der Auflösung der regionalen Soziokulturen und vor allem dem Verlust der Prägekraft des Ruhrgebiets profitiert;
    eine weiterhin pluralistische und pragmatische Deutungskultur, die die Vielfalt der Soziokulturen in Nordrhein-Westfalen widerspiegelt und kleinräumige Lebenswelten wie z.B. im Ruhrgebiet toleriert. Letzteres bedeutet allerdings den Abschied von der Vorstellung eines nordrhein-westfälischen Heimatgefühls als Maßstab für Landesbewußtsein.

Wappen

Das Wappen des Landes NRW besteht aus drei Feldern, je eines für die drei territorialen Bausteine des Landes.

Es zeigt in der linken Hälfte auf grünem Feld einen silbernen Wellenbalken als Versinnbildlichung des Rheinstroms (Rheinland).
Auf der rechten Hälfte in rotem Feld ein springendes silbernes Pferd (Westfalen).
Unten liegt in einer eingebogenen silbernen Spitze eine fünfblätterige rote Rose mit goldenem Butzen und fünf goldenen Kelchblättern (Lippe).
Das Wappen wurde am 5.2. 1948 in seiner heutigen Form eingeführt und am 10.3.1953 mit dem "Gesetz über die Landesfarben, das Landeswappen und die Landesflagge" auch gesetzlich verankert.

Um die freie Verwendung des Wappens zu ermöglichen, dessen unbefugte Benutzung nach § 124 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten vom 2.1.1975 mit Strafe bedroht ist, gab der Innenminister am 17.2.1984 durch einen Runderlaß ein verändertes "NRW-Wappenzeichen" zur Verwendung durch jedermann frei.
Im Schild stehen die Figuren des Landeswappens als Konturen vor den grün-weiß-roten Landesfarben.

Impressum

Auszug aus dem NRW-Lexikon (Stand: Oktober 1996) . Politik . Gesellschaft . Wirtschaft, mit freundlicher Genehmigung des Verlages Leske & Budrich, Leverkusen. Die gedruckte Fassung des NRW-Lexikon, 2. überarbeitete und aktualisierte Auflage, ISBN 3-8100-2336-1, ist beim Verlag oder im Buchhandel für ca. DM 36,00 erhältlich.

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